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Waldschule beschäftigt sich mit Klimawandel

Artikel von Angela Schneider (erschienen am 22.03.22 in der Schwäbischen Zeitung)

Wie macht ein Baum eigentlich Holz? Ist es in Ordnung, wenn ein Stück Wald für eine Windkraftanlage gerodet wird? Und was passiert mit dem Kohlendioxid, wenn Erdöl oder Kohle verbrannt werden? Klimawandel ist die große Klammer, unter der das Waldpädagogik-Team von Forst Baden-Württemberg (ForstBW) sein aktuelles Schwerpunktthema zusammenfasst.

Eine sechste Klasse der Realschule in Tettnang hat das neue Angebot vor Ort in Tannau am Freitag als erste ausprobiert. Zusammen mit Klassenlehrerin Isabel Glauner und Referendar Marcel Bernhardt sind die Schülerinnen und Schüler zum Waldhaus gekommen, um zu erfahren, was der Wald gegen die Klimaerwärmung leistet - aber auch, was jeder Einzelne dagegen tun kann. Das umfangreiche Bildungsprogramm von ForstBW ist bei Bildungsträgern wie Kindergärten und Schulen schon lange gut etabliert. Seit im vergangenen Jahr im Forstbezirk Altdorfer Wald die personellen Kapazitäten ausgebaut wurden, läuft seit dem Sommer das Programm "Forst BW macht draußen Schule" mit verstärkten Kapazitäten vor Ort und mit dem räumlichen Schwerpunkt beim Forsthaus Tannau. "Das lief bisher sehr gut, ich hatte bis Dezember Gruppen da", so Pädagogin Britta Rösch, die auf Basis der waldpädagogischen Formate aus dem Haus des Waldes in Stuttgart nun auch das konkrete Angebot in Tannau ausgearbeitet hat. ForstBW bündelt das Angebot in der umfangreichen "Waldbox", in der alles drinsteckt, was es zu lernen und zu erfahren gibt.

Nach einem Kennenlernspiel steht für die 28 Realschüler das Thema Photosynthese auf dem Programm. Bei einem Staffelspiel geht es recht dynamisch her. Es ist gar nicht so schlecht, sich an diesem kühlen Morgen ein bisschen zu bewegen. Und es bleibt auch was hängen, sagen die Schüler später: Wie ein Baum sein Holz macht, werden die Elf und Zwölfjährigen sicher nicht so schnell vergessen.

Mit vor Ort ist auch Jürgen Holzwarth. Er bringt als Förster lange Erfahrung in der Waldpädagogik mit und ist inzwischen als Geschäftsbereichsleiter für Waldnaturschutz, Waldpädagogik und Flächenmanagement im Forstbezirk Altdorfer Wald tätig. Ihm und dem ganzen Team ist wichtig, dass die jungen Teilnehmer nicht nur ihr Wissen erweitern, sondern dass sie auch lernen, im Sinne der Nachhaltigkeit selbstständig zu argumentieren. Der Vormittag fliegt. Nach der Frühstückspause gibt es ein weiteres Bewegungsspiel, bei dem die Schülerinnen und Schüler anhand bestimmter Aussagen bewerten sollen, welche Verhaltensweisen gut oder schlecht fürs Klima sind. In manchen Fällen ist das zwar gar nicht so einfach, gleichzeitig attestiert Britta Rösch ihren Teilnehmern auch, dass sie teilweise schon ganz schön viel Vorwissen mitbringen. Auch die letzte Aktion dieses Vormittags finden die Sechstklässler ziemlich ansprechend und setzen die Aufgabe sofort ins Werk: "Ihr gebt dem Wald eine Stimme", erklärt Jürgen Holzwarth, und in Gruppen überlegen sich die Schüler, welche Parole sie auf ein Plakat malen würden, wären sie Teilnehmer einer Klimademo. Statt aufs Transparent schreiben die Teams ihre Parole in großen Sägemehlbuchstaben direkt auf den Waldboden, wo sie nun lesbar bleiben, bis der nächste Regen sie fortwäscht. "So gebt ihr den nächsten Waldbesuchern ein bisschen Stoff zum Nachdenken", motiviert Jürgen Holzwarth.

In der Feedbackrunde verteilen die Schülerinnen und Schüler viel Lob ans Waldbildungsteam. "Ich hab' viel gelernt", sagt Anna. "Es war richtig cool, und es ist wichtig, mehr auf die Umwelt zu achten", meint Marie. Britta Rösch und Jürgen Holzwarth freuen sich, dass das Konzept und ihre Spiele so gut ankamen. Nach dem ersten Durchlauf mit der Pilotgruppe wissen sie nun auch, an welchen Stellen sie noch optimieren können. Auf ihr junges Klientel setzen Rösch und Holzwarth große Hoffnungen. "Ihr tragt das Thema Nachhaltigkeit in eure Familien", gibt Holzwarth den Kids mit auf den Weg und freut sich, wenn die Teilnehmer ihre Erkenntnisse in ihren Alltag mitnehmen und umsetzen.

 

Das Waldpädagogik-Team steht ab sofort für die Schulen der Region bereit und möchte ab den Osterferien jeden Tag mindestens eine Veranstaltung anbieten zum Thema Klimawandel und auch zu anderen Wunschthemen der Schulklassen. Britta Rösch betont, "gerne laden wir die Schulen aus Friedrichshafen, Tettnang und Wangen ins Waldhaus Tannau ein, das gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist . Doch wir können natürlich für die Schüler aus Ravensburg und Weingarten auch die Wälder am Rande des Schussentals besuchen."


ForstBW macht DraußenSchule

Pressemitteilung   Freitag, 10.06.2021

„Wir machen im Juli bis zu den Sommerferien Draußenschule an unserem Waldhaus Tannau,“ freut sich Jürgen Holzwarth von ForstBW. „Dazu laden wir alle Schulen in unserem Forstbezirk ein. Wir möchten den pandemiegestressten Schüler*Innen aller Klassenstufen die Möglichkeit geben, in der guten Waldluft coronakonform Lerninhalte zu erarbeiten.”

 

Lehrplaninhalte, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung, können ganz besonders gut im Wald unterrichtet werden. Der Lernort Wald ist ideal, weil unser Wald eben Herz, Hand und Verstand anspricht. Auch Mathe kann zwischen Bäumen unterrichtet werden, denn die Volumenformeln haben selbst im wilden Wald ihre Gültigkeit. 

 

„Lernen und diskutieren über den Klimawandel im Wald ist dabei genau der richtige Ort, denn Bäume können vor dem Klimawandel schließlich nicht davonlaufen,” bemerkt der langjährige Förster Stefan Kempf vom Revier Tannau.

 

Nach den langen Monaten der strengen Einschränkungen, gibt es derzeit und hoffentlich auch im Juli Lockerungen, die insbesondere die „Draußenschule an der frischen Waldluft“ möglich machen. Im Wald sind die Aerosoldichten sehr viel geringer, was wiederum Gruppenerleben und unbeschwertes soziales Miteinander eher ermöglichen, natürlich unter Einhaltung der dann geltenden Verhaltensregeln.

 

„Wichtig ist uns, dass die Schulklassen mit kleinem CO2-Fußabdruck anreisen“, sagt Britta Rösch, Waldpädagogin am Waldhaus in Tannau. Für Schulen aus Ravensburg und Friedrichshafen, Tettnang und Wangen haben wir gute Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem günstigen Bodo-Gruppentarif herausgesucht. Einfach auf unserer homepage waldhaus-tannau.forstbw.de unter Anreise schauen. Oder vielleicht mögen Schulen der Umgebung auch mit dem Fahrrad oder in Form eines Wandertages anreisen?“ überlegt Rösch weiter. 

Die Veranstaltungen orientieren sich methodisch und didaktisch an den Bedürfnissen der Teilnehmenden und ihrer Lebenswelt. Sie vertiefen und veranschaulichen Themen des Unterrichts.

 

Eine/r von sechs Försterinnen und Förstern gestaltet in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Lehrkraft das Halb- oder Ganztagesprogramm nach den Bedürfnissen des Lehrplans und dem Wunsch der Lehrkraft. Täglich kann eine Klasse dieses besondere Juli- Angebot wahrnehmen. Basis ist die Methoden- und Materialsammlung „Waldbox“. Diese enthält über 100 auf die Bildungspläne abgestimmte Ideen für den Unterricht von der Grundschule bis zur Oberstufe und sichert ab, dass die Leitperspektive „Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)“ der Bildungspläne Verwirklichung findet. Die Anmeldung erfolgt über www.waldbox.forstbw.de. Das Waldhaus Tannau ist Stützpunkt für alle Aktionen. 


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Für noch mehr Entdeckerspaß druckt euch das Leitet Herunterladen der Datei einWaldmemory aus und klebt es auf einen Eierkarton. Jetzt nur noch ein Vesper einpacken und ab in den Wald !